Mittwoch, 07.10.2026 18:48 Uhr

Kurt Semm: Aufbruch in eine neue Ära

Verantwortlicher Autor: Prof Dr Peter Schroeder Kiel, 07.10.2026, 11:04 Uhr
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Aufbruch in eine neue Ära - Buchcover
Aufbruch in eine neue Ära - Buchcover  Bild: Schroeder

Kiel [ENA] Kaum eine Patientin oder ein Patient sowie vermutlich auch die meisten der heutigen Operateurinnen und Operateure wird sich bewusst sein, dass die Schlüssellochchirurgie, minimalinvasive Chirurgie genannt, die dritte und aktuell letzte Revolution nach Narkose, Desinfektion und Asepsis darstellt.

Obwohl erst rund vier Jahrzehnte seit ihrer Einführung vergangen sind, ist der Name des Pioniers dieser Operationstechnik vielen Jüngeren vermutlich nicht mehr geläufig. Kurt Semm (1927–2003), ein Gynäkologe, war derjenige, der der Chirurgie, die das Körperinnere bisher nur durch einen großen Schnitt betrachten konnte und dies auch noch einige Zeit beibehalten wollte, große Veränderungen brachte. Vor etwa fünfzig Jahren setzte er sich intensiv dafür ein, dass der Status der „offenen“ Chirurgie als Alleinstellungsmerkmal erhalten blieb. Heute gilt Kurt Semm als Wegbereiter der minimalinvasiven Chirurgie.

Semm war Ordinarius für Gynäkologie und Chefarzt der Universitätsfrauenklinik der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Semm wird nicht als Begründer der endoskopischen Diagnostik betrachtet, doch er wurde zum Schrittmacher insbesondere der pelvinen Chirurgie, die er Pelviskopie nannte. Letztlich setzte sich weltweit der Begriff Laparaskopie durch. Der Wandel hin zur minimalinvasiven Chirurgie vollzog sich plötzlich, seine Grundlagen entstanden aber durch langjährige Entwicklungsarbeit an der Universitätsfrauenklinik in Kiel. Die Geburtsstunde der Pelviskopie lag in der Behandlung von Fertilitätsstörungen.

Semm stellte als erster und lange Zeit einziger Gynäkologe und Operateur die Frage, warum Chirurgen nicht über dieselben kleinen Zugangswege, also die Schlüssellöcher, operieren sollten. Als ausgebildeter Werkzeugmacher passte er das klassische chirurgische Instrumentarium – Schere, Nadelhalter, Pinzette – so an, dass es minimalinvasiv an die Operationsstelle geführt werden konnte. Trotz massiver Kritik, vor allem seitens der Chirurgen, die sogar ein Berufsverbot für ihn forderten, ließ er sich nicht entmutigen und entfernte 1980 erstmals einen Blinddarm minimalinvasiv. Mit diesem Eingriff begann der Siegeszug der minimalinvasiven Chirurgie, der seitdem nicht mehr aufzuhalten ist.

Buch und Titel „Aufbruch in eine neue Ära“ stammen von Ibrahim Alkatout, Saskia Struck und Ulrich Mechler. Sie geben Zeitzeugen Raum, die an der Entwicklung der Schlüssellochchirurgie beteiligt waren oder diese kritisch begleiteten. Durch Interviews mit diesen Zeugen zeichnen sie ein Bild der technischen Hindernisse sowie der kollegialen und wissenschaftlichen Konflikte, die den Start der minimalinvasiven Chirurgie begleiteten. Zusammen mit kurzen biographischen Angaben über Kurt Semm entsteht das Porträt eines unbeirrbaren Pioniers, der mit großem Mut seine Visionen verwirklichte. Diese führten zu einem bedeutenden Fortschritt zum Wohle der Patientinnen und Patienten.

Das Buch ist ansprechend gestaltet, inhaltlich hochwertig und stellt für jeden Operateur eine lohnende Lektüre dar. „Aufbruch in eine neue Ära“ ist unter der ISBN-Nummer 978-3-947064-24-3 im Kieler Solivagus Verlag erschienen.

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