Mittwoch, 30.11.2022 02:16 Uhr

Verluste bei jeder zweiten Vogelart

Verantwortlicher Autor: Sergej Perelman Berlin/Stuttgart, 01.11.2022, 16:14 Uhr
Presse-Ressort von: Sergej Perelman Bericht 2346x gelesen

Berlin/Stuttgart [ENA] Fast die Hälfte aller Vogelarten weltweit weist Verluste auf. Das zeigt der am 27. September veröffentlichte Bericht des NABU-Dachverbands BirdLife International "State of the World's Birds 2022", der alle vier Jahre erstellt wird. Viele Vogelpopulationen sind demnach sogar stark dezimiert. Vom Aussterben bedroht ist derzeit laut der jüngsten internationalen Roten Liste jede achte Vogelart.

"Der nun fünfte Statusreport zeichnet das bisher besorgniserregendste Bild der Zukunft der Vogelarten und damit des gesamten Lebens auf der Erde. Sowohl die schädliche Praxis in der Land- und Forstwirtschaft als auch die Effekte der Klimakrise sind die Haupttreiber für die Verluste, denen wir uns mit aller Kraft entgegenstellen müssen", so NABU-Bundesgeschäftsführer Leif Miller.

Den 49 Prozent abnehmenden Vogelarten stehen lediglich sechs Prozent Zunahmen entgegen. Seit dem Jahr 1500 gelten inzwischen 187 Vogelarten als ausgestorben. Ein wesentlicher Grund für den schlechten Zustand der Vogelbestände liegt laut BirdLife-Bericht in der Landwirtschaft. Die zunehmende Mechanisierung, der Einsatz von Agrochemikalien und die Umwandlung von Grünland in Ackerland haben dazu geführt, dass die Zahl der Feldvögel in Europa seit 1980 um 57 Prozent zurückgegangen ist.

Weltweit sind die Ausweitung und Intensivierung der Landwirtschaft das größte Problem für die Vögel der Welt und betrifft 73 Prozent aller bedrohten Arten. Problematisch ist auch nicht nachhaltige Waldbewirtschaftung und Abholzung, wobei der Verlust von über sieben Millionen Hektar Wald - jedes Jahr eine Fläche so groß wie Irland - die Hälfte aller bedrohten Vogelarten betrifft.

Die Klimakrise ist ebenfalls eine erhebliche Bedrohung und zeigt bereits verheerende Auswirkungen auf die Vögel der Welt. 34 Prozent der bedrohten Arten sind bereits betroffen. Geringere Niederschläge für Feuchtgebietsarten, reduzierte Verbreitungs-gebiete von Gebirgs- und polaren Vogelarten gehören zu den Problemen wie auch zunehmende Brände, Dürren und Stürme. Weitere gravierende Effekte entstehen durch invasive Arten, Jagd und Beifang, Flächenverbrauch, Rohstoffabbau und Energieinfrastruktur. Für die Rückgänge von 70 Prozent aller Greifvögel in Kenia sind beispielsweise Verluste an Stromleitungen hauptverantwortlich, nur einem von vielen Ländern, in dem die Stromversorgung massiv ausgebaut wird.

Der BirdLife-Bericht zeigt aber auch, dass durch entschlossenes Handeln Arten gerettet und Natur wiederhergestellt werden kann. Seit 2013 haben 726 weltweit bedrohte Vogelarten direkt von den Maßnahmen der BirdLife-Partnerschaft profitiert. In Europa wäre etwa der Waldrapp ohne gezielten Artenschutz ausgestorben. So wurden etwa 450 wichtige Vogel- und Biodiversitätsgebiete (IBAs) durch die Lobbyarbeit von BirdLife Partnern als Schutzgebiete ausgewiesen. "Wir müssen beschädigte Ökosysteme renaturieren und wichtige Naturräume schützen. Nur so können wir die biologische Vielfalt auf Dauer erhalten", betont Miller.

Für die Vogelpopulation in Baden-Württemberg ist es unerlässlich, dass das im Koalitionsvertrag angekündigte Bodenbrüterprogramm umgesetzt wird: „Bei Bodenbrütern wie Kiebitz, Rebhuhn und Grauammer herrscht höchste Alarmstufe. Es wäre eine folgenschwere Fehlentscheidung, wenn die Landesregierung das Bodenbrüterprogramm erst ankündigt und jetzt fallen lässt“, appelliert NABU-Landesvorsitzender Johannes Enssle. Auch für die windkraftsensiblen Vogelarten fordert Enssle Unterstützung: „Es braucht Investitionen für den Schutz von Vogelarten, die durch den Betrieb von Windenergieanlagen in besonderer Weise betroffen sind. Nur so kann verhindert werden, dass der beschleunigte und massive Ausbau der Windkraft nicht zu Lasten der Vogelwelt geht“.

Obiger Bericht bildet die Pressemitteilungen von NABU und NABU Baden-Württemberg vom 29.09.2022 ab.

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