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'Utopia' - neues Album von Konstantin Wecker

Verantwortlicher Autor: Sergej Perelman München, 06.06.2022, 21:28 Uhr
Presse-Ressort von: Sergej Perelman Bericht 4599x gelesen

München [ENA] Der Münchner Liedermacher Konstantin Wecker veröffentlichte im Juni 2021 sein neues Album 'Utopia' - eine sehnsuchtvolle, zärtliche, musikalische Meditation über eine mögliche Realität hinter dem Alptraum der sogenannten Wirklichkeit; ein Traum, der sich aus seiner Möglichkeit in eine wunderbare Wirklichkeit verwandeln will: „Das wird eine schöne Zeit, wenn Krieger vor Liedern fliehen und Waffen Gedichten erliegen“.

„Das wird eine schöne Zeit, wenn Krieger vor Liedern fliehen und Waffen Gedichten erliegen“, träumt KONSTANTIN WECKER in dem Lied 'Das wird eine schöne Zeit' eine neue Wirklichkeit herbei - poetisch, sanft, inwendig; ganz im Geiste des Mannes aus Nazareth, der sagen konnte: „Der Frieden, den ich euch gebe, ist nicht wie die Welt ihn gibt“. Die Logik der Welt lautet: „Wer den Frieden will, muss den Krieg vorbereiten“, Gleichgewicht des Schreckens oder die Überlegenheit der eigenen Waffen. Doch Waffen konnten noch nie und werden auch niemals Frieden schaffen, deshalb ist so ganz anders das Wirken und Sprechen JESU, MAHATMA GANDHIS (1869-1948) und der Gesang WECKERS: „Nehmen wir nie mehr Gewehre in unsre zerbrechliche Hand“.

WECKERS nach Verwirklichung strebenden Traum „wenn Krieger vor Liedern fliehen und Waffen Gedichten erliegen“ träumte ähnlich auch schon NOVALIS (1772-1801), welcher seinerzeit dichtete: „Wenn die so singen oder küssen, mehr als die Tiefgelehrten wissen. [...] Und man in Märchen und Gedichten erkennt die ew'gen Weltgeschichten. Dann fliegt vor einem geheimen Wort das ganze verkehrte Wesen fort“; und ERNST TOLLER (1893-1939) in 'Das Schwalbenbuch', wo es z. B. heißt: „Europa preist seine Aeroplane. Ich aber, Nr. 44, will mit den schweigenden Akkorden meines Herzens den Flug der Schwalbe preisen. Wer preist mit mir den Flug der Schwalbe?“.(1)

Nur noch ein Sein ohne Herrschaft befreie uns aus unserer Not, singt WECKER in dem Stück 'Es gibt kein Recht auf Gehorsam'. Der Weg dorthin führt, folgt man den Liedern des Albums 'Utopia', über den „Eigensinn“ beziehungsweise das „Eigensein“ (als die wahre Natur des Einzelnen), die Gehorsamsverweigerung, die mitfühlende Zuwendung zu allem Lebendigen, das gegenseitige Stützen unter den Menschen und die Liebe, welche als Grund und Sinn allen Seins besungen wird. An mehreren Stellen des Albums schimmert durch den dunklen Schleier der sogenannten Wirklichkeit die selige Ahnung hindurch, dass der Tod nicht das letzte Wort über das Leben hat. Da ist ein Licht, die Unendlichkeit der Liebe, die uns zu sich nimmt.

Entscheidend ist auch das Moment in WECKERS Poesie, welches die 'Kain und Abel-Problematik' des menschlichen Daseins in eine neue, von leerer Äußerlichkeit und Konkurrenz befreite, Wahrnehmung seiner selbst und des Mitmenschen an unserer Seite auflöst. Reich sei man nur, heißt es in dem Lied 'Anstatt zu siegen', wenn einem endlich bewusst werde, dass keiner besser sei, sondern dass wir alle Eins seien. Denn wir alle kommen aus der Liebe - "dem Ursprung allen Seins". Dieselbe Erkenntnis stellt auch der russische Dichter PJOTR ORESCHIN (1887-1938) an den Anfang seines sehnsuchtsvollen Gedichts 'Wenn es in dieser Welt...' - wir sind geliebte Geschöpfe einer unendlichen Liebe, alles ist ihr Geschenk, sie will nicht, dass wir uns bekriegen.(2)

Auch der ukrainische Mystiker und Aufklärer HRYHORIJ SKOWORODA (1722-1794) betont im 20. Gesang seiner Schrift 'Der Garten der göttlichen Lieder' ähnlich wie WECKER den Weg nach innen und die Kraft der Güte. Dort, im Herzen, in der Seele eines jeden Menschen, befinde sich eine heilige, herrliche Stadt, ein Tempel, meint SKOWORODA. Wer diese Stadt einmal in sich entdeckt, brauche keine Wehrkraft mehr in Form von Waffen und Krieg. Gott selbst werde sein Schutz. Wer diesen Tempel betritt, verliert die Angst vor Bomben, Verleumdung und Lüge. Die Hoffnung, ein Herrscher gebe einem Schutz, ist eine Illusion. Einzig die Wahrheit des Herzens sei unzerstörbar. Feinden begegne man in diesem Tempel mit Güte, da auch sie geliebt werden.(3)

KONSTANTIN WECKERS Album 'Utopia' ist gerade jetzt ein immens wichtiger Impuls, sich auf die tiefe Wahrheit des eigenen Herzens zu besinnen und nur daraus sein Fühlen, Denken und Handeln abzuleiten und nicht aus der von Äußerlichkeit, Angst, Minderwertigkeitsgefühlen, Konkurrenz, Lüge, Gewalt, Geld, Macht und wahnhaften Illusionen geprägten äußeren Wirklichkeit. 'Utopia' ist eine Einladung nach dem eigenen Sinn inwendig in sich zu suchen, um dann das auszuprägen, was man für sich als wahr und stimmig empfindet: z. B. sich den Herrschenden zu verweigern und lieber zu weinen, statt zu hassen, lieber zu träumen, statt zu gehorchen, lieber zu streicheln, statt zu schießen.

'Utopia' ist unter dem Label 'Sturm & Klang' veröffentlicht worden: https://sturm-und-klang.de/product/utopia

(1) Ernst Toller: Das Schwalbenbuch. http://www.lyrik-lesezeichen.de/schwalbenbuch/schwalbenbuch.php

(2) Pjotr Oreschin: 'Wenn es in dieser Welt...' (russ. 'Если есть на этом белом свете...'). Der russische Text, die deutsche Übersetzung und eine musikalische Interpretation dieses Gedichts: https://www.youtube.com/watch?v=UgMhkQgZNxE, https://45parallel.net/petr_oreshin/stihi/#esli_est_na_etom_belom_svete

(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Gregorius_Skoworoda, http://litopys.org.ua/skovoroda/skov103.htm

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