Montag, 04.07.2022 16:59 Uhr

Demonstration für ein Ende illegaler Kälbertransporte

Verantwortlicher Autor: Sergej Perelman Stuttgart, 05.06.2022, 16:31 Uhr
Presse-Ressort von: Sergej Perelman Bericht 4906x gelesen

Stuttgart [ENA] Am 1.6.22 standen Tierschützer:innen von 'X Orga – vereint für Tierrechte', 'Menschen für Tierrechte Baden-Württemberg e.V.' , 'Liberation Stuttgart' und 'Peta' vor dem Landwirtschaftsministerium in Stuttgart, "um die unethische, grausame Milchindustrie zu thematisieren sowie die damit verbundenen rechtswidrigen Kälbertransporte ab Bad Waldsee anzuprangern, die immer noch ungehindert stattfinden".

Im Besonderen kritisierten die Tierschutzaktivist:innen den rechtswidrigen Transport von Kälbern ins Ausland. "Einer der krankhaften Auswüchse der grausamen, tierfeindlichen Milchindustrie offenbart sich hier in Baden-Württemberg in Bad Waldsee, einem Kurort im Landkreis Ravensburg, also einem Ort, an dem Menschen es sich gut gehen lassen würden", entrüsten sich die Aktivisten. Bad Waldsee sei zugleich der Ort, "an dem hochvulnerable, nicht von der Muttermilch entwöhnte Kälber ihre Höllenfahrt antreten müssen", bringen die Aktivistinnen ihr Mitleid, ihre Fassungslosigkeit und ihren Ärger zum Ausdruck.

Bezüglich der Transporte nach Spanien seien diese Tierkinder oft bis zu 33 Stunden unterwegs ohne angemessene Versorgung, so der anerkannte Experte Dr. Rabitsch. Die Kälber würden entsetzlichen Durst, Hunger, Angst, Schmerz leiden – viele würden bereits auf dem Transport oder zeitnah am Ankunftsort sterben, weil sie durch diese Misshandlung krank würden, schildern die Tierschützer:innen. "Ja, und nach der Mast in Spanien erwartet die überlebenden Tiere dann ein weiteres unvorstellbar grausames Schicksal, wenn sie auf die Höllenfahrt in EU-Drittstaaten gezwungen werden", ergänzen die Aktivisten die Veranschaulichung der Verhältnisse beim Kälbertransport.

Dem Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg Kretschmann und dem Landwirtschafts-minister Hauk werfen die Tierschützer:innen vor, sich immer noch hinter der Fehlent-scheidung des VGH Mannheim zu verstecken. "Namhafte Jurist:innen der Deutschen juristischen Gesellschaft für Tierschutzrecht zeigten im Frühjahr 2021 der Landesregierung gangbare Wege auf, trotz dieser Fehlentscheide der beiden Gerichte, den Schutz für die Tiere wieder herzustellen: Diese Entscheidungen der Gerichte sind nämlich Eilent-scheidungen und somit sind sie nicht geeignet, eine verbindliche Entscheidung herbeizuführen und können auch nicht zur Aufhebung des Erlasses vom 4.12.2020 veranlassen."

Der am 4.12.2020 von Minister Hauk verfasste Erlass, die Kälbertransporte zu untersagen, wurde von Tierschützer:innen als Hoffnungsschimmer empfunden. Hauk schrieb damals: "Aufgrund neuer Erkenntnisse zum Ablauf der Kälbertransporte nach Spanien sind Zweifel aufgekommen, ob diese Transporte tierschutzgerecht durchgeführt werden können". Die Entscheidung des VGH Mannheim sei falsch, weil insbesondere Artikel 3 h verlange, dass die Tiere in angemessenen Zeitabständen mit Nahrung, welche qualitativ und quantitativ ihrer Art und Größe angemessen sei, versorgt würden und ruhen können. "Das ist bei den Kälbertransporten ab Bad Waldsee nicht der Fall! Dies ist eindeutig ein fortlaufender Rechtsverstoß gegen die EU-Tiertransportverordnung!"

Grundsätzlich forderten und empfahlen die Aktivisten bei Ihrer Demonstration: "Kälber gehören zu ihren Müttern! Die Muttermilch gehört den Kälbern! Keine erwachsene Spezies trinkt mehr Muttermilch, aber Menschen tun dies – und nicht mal die eigene! Es gibt inzwischen vielfältige wohlschmeckende pflanzliche Alternativen, die für Menschen sowieso gesünder sind". Darüber hinaus vertraten die Aktivisten die Position, "dass die Zukunft vegan sein muss – für die Tiere, für das Klima, für die Beseitigung des Hungers auf der Welt und für das Überleben weiterer Generationen aller Lebewesen auf diesem Planeten", dies sei nicht mehr zu leugnen!

Um ihre Position zu begründen, verweisen die Tierrechtler:innen auf Corine Pelluchon, die in ihrem Buch 'Manifest für die Tiere' schreibe: Die Gewalt gegen Tiere, die von unseren Staaten legalisiert, von unserer Öffentlichkeit und unserer Kultur meist legitimiert werde, sei Ausdruck einer gewalttätigen Zivilisation. "Unser Verhältnis zu den Tieren ist also auch ein Spiegel unseres Verhältnisses zu unseren Mitmenschen." Zudem argumentieren sie mit Wolfgang Pekny, Obmann der Initiative Zivilgesellschaft, welcher schreibe, "dass seit Menschengedenken die Mächtigen dieser Erde daran interessiert sind, die Verhältnisse um jeden Preis zu erhalten. Aber unsere Zivilisation kann nur dann bestehen, wenn sie sich verändert".

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